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Hintergrund

Eine Einengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) ist die häufigste Klappenerkrankung im hohen Lebensalter. DIe Aortenklappe sitzt im linken Teil des Herzens und stellt die Verbindung zur Hauptschlagader (Aorta) her. Sie ist in der Regel in drei Taschen unterteilt und hat die Funktion eines Ventils. Bei jedem Herzschlag öffnet sich die Klappe, nach Auswurf des Herzvolumens (was man als Pulsschlag tasten kann) verschließt sie sich vollständig, um einen Rückfluss des Blutes in das Herzen zu verhindern. Bei einer Aortenklappenstenose kann sich die Herzklappe, meist verursacht durch altersbedingte Verkalkungen, nicht mehr vollständig öffnen. Bei einer hochgradigen Einengung ist die Öffnungsfläche um das ca. 4-fache reduziert. Um nun den gleichen Druck in der Hauptschlagader zu erzeugen, entsteht für das Herz eine bedeutsame Mehrarbeit. Das Herz ist glücklicherweise in der Lage diese Situation zunächst durch eine Verdickung des Herzmuskels (Hypertrophie) zu kompensieren. Mittelfristig führen solche "Kompensationsmechanismen" jedoch zu einer Schädigung des Herzens, im ungünstigsten Fall tritt ein komplettes Herzversagen ein.

Symptome

Im Anfangsstadium bestehen meist keine oder nur geringe Beschwerden. Im weiteren Verlauf treten  bei körperlicher Belastung Luftnot, Brustschmerzen (Angina pectoris) und Schwindel auf. Kommt es zu einem plötzlichen Bewusstseinsverlust oder zu Wassereinlagerungen im Körper, beträgt die durchschnittliche weitere Lebenserwartung nur ca. 1 Jahr und ist damit erheblich niedriger, als bei den allermeisten Tumorerkrankungen. 

Diagnose  

Meist fällt eine Aortenklappenstenose erstmals während einer Herzauskultation auf. Eine Sicherung der Diagnose erfolgt durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie). Hier kann in den meisten Fällen zuverlässig der Grad der Einengung bestimmt werden. In seltenen Fällen sind weitere diagnostische Untersuchungen (Herzkatheter, Schluckultraschall, MRT, CT etc.) notwendig.

Therapie

Da es sich bei der Aortenklappenstenose um ein mechanisches Problem handelt, sind die medikamentösen Therapieoptionen eingeschränkt. In frühen Stadien der Erkrankung  beschränkt man sich auf eine optimale Einstellung des Blutdrucks und der Herzfrequenz.

Besteht eine hochgradige Aortenklappenstenose und liegen Symptome vor, so sollte ein Ersatz der Herzklappe erfolgen. Standardverfahren ist das offene chirurgische Verfahren. Dabei wird das Brustbein gespalten, die Kreislaufversorgung erfolgt während der Operation über eine Herz-Lungen-Maschine. Die Operation hat bei sonst gesunden Patienten ein niedriges Risiko. Bei älteren Patienten mit Begleiterkrankungen besteht jedoch ein deutlich erhöhtes Risiko. Insbesondere nach der Operation dauert es häufig lange, bis der ursprüngliche Leistungsstand wieder erreicht wird.

Als Alternative zur Operation wird seit ein paar Jahren die Aortenklappe per Herzkatheter ersetzt. Dies funktioniert ähnlich wie bei der Implantation eines Stents in einem Herzgefäß.

Die Prozedur wird meist in Vollnarkose durchgeführt. Zunächst wird die neue Herzklappe (Bioklappe) auf ein Trägersystem "gefaltet" und durch eine Schleuse in der Leiste (alternativ kann auch ein Zugang über die Schlüsselbeinarterie erfolgen) zum Herzen vorgebracht. Die Klappe wird nun in der Höhe der defekten Herzklappe positioniert und dort abgesetzt. Die kann je nach Hersteller der Klappe mit einer Ballondilatation (Edwards Sapiens) oder selbstexpandierend (Medtronic CorValve) geschehen. Die gesamte Prozedur wird am schlagenden Herzen und ohne Herz-Lungen-Maschine durchgeführt. Ein herzchirurgisches Team des Herzzentrums Essen Huttrop (Leitender Arzt Prof. Dr. M. Kamler) ist während des Eingriffs anwesend, so dass im Falle einer Komplikation auf eine offene chirurgische Operation gewechselt werden kann. Dies ist jedoch lediglich in 1-2% der Fälle erforderlich.Direkt nach der Prozedur wird der Patient extubiert und für ca. 24 Stunden auf der Intensivstation überwacht. Eine Entlassung aus dem Krankenhaus erfolgt in der Regel  nach 7-10 Tagen.

Aktuell wird dieses Verfahren jedoch nur bei Patienten eingesetzt, bei denen ein hohes Risiko für eine konventionelle Operation besteht. Aufgrund der guten Studienergebnisse ist jedoch mit einer Ausweitung der Indikation in den nächsten Jahren zu rechnen.