Venenerkrankung

Krampfadern

Krampfadern sind "krumme Adern" also in ihrem Verlauf ausgedehnte Adern, die aufgrund einer chronischen Überdehnung der Hautvenen entstehen können. Am häufigsten kommen sie an den Beinen vor, was u.a. auch dadurch bedingt ist, dass im Stehen das Blut in diesen Gefäßen der Schwerkraft folgend nach unten drückt und damit diese Hautvenen einem ständigen Druck ausgesetzt sind.

Bei entsprechend veranlagten Menschen führt dies früher oder später zu einer Ausdehnung dieser Gefäße: Es kommt zu Krampfadern. Dies kann man in erster Linie als unästhetisch empfinden. Probleme entstehen dann, wenn durch die Ausdehnung der oberflächlichen Venen gelichzeitig die Ventilklappen, die sich in den Venen befinden, wegen dieser Überdehnung ihre Funktion verlieren. Die Folge ist, dass Blut nicht mehr in Richtung des Herzens gepumpt wird, sondern buchstäblich in der Vene "stehen bleibt". Durch den permanenten Druck dieser Blutsäule auf das umgebende Gewebe kann es zu Durchblutungsstörungen kommen.

Im Extremfall kann dies zu einer chronischen Minderdurchblutung der Haut und damit zum Gewebsuntergang führen. Es entstehen die sogenannten "offenen Beine" mit einer schlecht heilenden Wunde, meist etwas oberhalb der Fußinnenknöchel.

Ab wann sollte man etwas gegen Krampfadern unternehmen? Man sollte eine Therapie in Erwägung ziehen, wenn sich die oberflächlichen Krampfadern durch wiederholte Entzündungen, Spannungsgefühl oder Schmerzen bemerkbar machen. In jedem Falle sollte man eine Therapie anstreben, wenn sich am Bein bereits Verfärbungen (meist braun oder weißlich) einstellen oder sogar Wunden entstehen.

Venenenzündung:

Eine typische Komplikation von Krampfadern stellt die Venenentzündung dar. Dabei bilden sich Blutgerinnsel in den Krampfaderknoten. In den meisten Fällen ist solch eine Thrombophlebitis harmlos. Die Patienten erhalten schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente, Spritzen zur Thromboseprophylaxe, eine Kompressionstherapie und werden angehalten, viel zu laufen. Die Entzündung klingt dann in der Regel innerhalb von ca. 2 Wochen ab.

Gefährlich wird es, wenn von der Venenentzündung eine Verbindung zu den tiefen Venen betroffen ist. In dieser Situation können die Blutgerinnsel in die tiefen Venen eindringen, dort eine tiefe Venenthrombose verursachen und sogar eine Lungenembolie auslösen. Die Thrombophlebitis mit Crossenbeteiligung sollte dann mit einer dringlichen Crossektomie therapiert werden.

Thrombose:

Thrombosen der tiefen Venen sind gefährlich, glücklicherweise aber viel seltener als die o.g. Erkrankungen. Begünstigend wirken angeborene Gerinnungsstörungen, schwere Operationen oder Verletzungen, Immobilisation und manche Erkrankungen, insbesondere Tumorerkrankungen. Früher wurde prinzipiell Bettruhe verordnet, weil man sich erhoffte, damit eine Lungenembolie verhindern zu können. Heutzutage dürfen sich die meisten Patienten bewegen, wenn es ihnen von den Schmerzen her möglich ist. Wichtige Basismaßnahmen sind weiterhin die Verordnung gerinnungshemmender Substanzen (Antikoagulation) und die Kompressionstherapie. Die operative Entfernung der Blutgerinnsel und die systemische Gabe von gerinnungsauflösenden Medikamenten (Thrombolyse) haben aufgrund einer ungünstigen Nutzen-Risiko-Konstellation weitgehend an Bedeutung verloren. Bei sehr schweren Verläufen mit akuter Bedrohung eines Beines führen wir im Ausnahmefall die venöse Thrombektomie durch.